Ludwig Gies (1887 – 1966)

Bildhauer, Medailleur, Glasmaler und Hochschullehrer

Ludwig Gies (* 3. September 1887 in München; † 27. Januar 1966 in Köln) war ein deutscher Bildhauer, Medailleur, Glasmaler und Hochschullehrer. Für die Nationalsozialisten wurde er mit seinem expressionistischen Lübecker Kruzifixus (1921) bereits seit 1922 zum Prototyp des „entarteten Künstlers“. Sein bekanntestes Werk ist der Bundesadler (1953) im Bonner Bundestag, in veränderter Fassung heute im Plenarsaal des Reichstagsgebäudes zu Berlin.

Wahrscheinlich ist der Bundes(tags)adler im Plenarsaal des Deutschen Bundestages das meistreproduzierte Kunstwerk in Deutschland. Sein ursprünglicher Schöpfer hingegen ist kaum jemandem bekannt. 1887 in München geboren, zählte Ludwig Gies zeitlebens zu den Stillen im Lande. Der junge Künstler mit handwerklicher Vorbildung suchte zunächst durch eigentümliche Medaillen und Plaketten – auf diesem Felde schließlich der wohl bedeutendste Vertreter im 20. Jahrhundert – den Ersten Weltkrieg als Apokalypse der Moderne zu begreifen. Seit 1918, als er Dozent in Berlin wurde, entwickelte sich zudem das kleinplastische Werk in Holz und Elfenbein, in Metall, Keramik und in Porzellan. Dieses begleitete kontinuierlich ein seit den 1920er-Jahren zunehmend auch großmaßstäbliches OEuvre: die Kunst am Bau in Bildhauerei, in Wand- sowie Glasmalerei. Unter seinen expressionistischen Bildwerken war es das Lübecker Kruzifix, das schon 1922 zum Feindbild der Nationalsozialisten wurde und 1937 die Schandausstellung Entartete Kunst eröffnen musste. Im sogenannten Dritten Reich in der offiziellen Kunstszene verfemt und aller Ämter enthoben, trug Gies ab 1950 bis nahe zu seinem Tode 1966 als Professor an den Kölner Werkschulen zum künstlerischen Neubeginn figurativer Bildhauerei in Deutschland bei.

Von altägyptischen Vorbildern inspiriert, entwickelte der Künstler im versenkten Relief – Medium zwischen Malerei und Bildhauerei – seinen unverwechselbar eigenen Stil. Inhaltlich war es ihm Ausdrucksmittel transzendentaler Vorstellungen. Begriff er Kosmos und Natur als Manifestation göttlicher Schöpferkraft, so abstrahierte er die eigenen Formwerdungen gegenüber ihrem dinghaften Vorbild und verstand das Ornament als Symbolträger. Das Bild des einsamen Menschen, des Paares oder der (heiligen) Familie bestimmt seine Motivwelt. Unabhängig von realer Größe und Maßstab prägt eine innere Monumentalität von Form und Ausdruck die plastischen Werke. Die 54 in der Galerie der Stadt Fellbach gezeigten bilden das Ludwig Gies-Kabinett im Leverkusener Museum Morsbroich, das seinen künstlerischen Nachlass bewahrt. Als Leihgaben von LETTER Stiftung, Köln, kommen insgesamt 109 Kleinreliefs – Medaillen und Plaketten – hinzu.

 

Quellen Text: Seite „Ludwig Gies“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 16. Dezember 2022, 06:39 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Ludwig_Gies&oldid=228902739 (Abgerufen: 22. Januar 2023, 16:11 UTC)

 

http://www.letter-stiftung.de/index.php/leser/items/Gies_Fellbach.html abgerufen am 22.01.2023

 

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