Kaufmann, Schriftsteller, Dichter, Krätzchensänger, Karnevalist, literarischer Beirat der „Großen Kölner Karnevalsgesellschaft“ und „Erfinder“ von Tünnes und Schäl.

Am 1. Juli 1847 wurde Gerhard Schnorrenberg in Köln auf der Hohe Straße, als Sohn des Kaufmanns Johann David Schnorrenberg, der ein Geschäft für Porzellan, Glas- und Kristallwaren besaß, geboren, dessen Familie 300 Jahre hindurch mit der Stadt Köln eng verbunden war.

Der begabte Junge besuchte die höhere Schule in der Kreuzgasse, wurde später Privatlehrer und wandte sich dann der Schriftstellerei zu. Der Maler Wilhelm Leibl und der Erfinder August Otto gehörten zu seinem Bekannten- und Verwandtenkreis. Der aufrechte freimütige und bescheidene Gerhard war konservativ, aber von aufgeschlossener Natur. Obgleich er seine Familie mit der Feder ernähren musste, ruhte sein Schaffen auf einer charakterfesten, soliden Grundlage.

Dem Kölner Karneval rettete er den echten Volkshumor, er arbeitete an einem Wörterbuch und gab eine in Mundart verfasste Chronik der Stadt Köln heraus. Gerhard Schnorrenberg leitete ferne die Zeitschrift „Alaaf Kölle“, daneben leistete er wertvolle Dienste für den Handel der Stadt als Fremdsprachler. Die unvergänglichen Gestalten „Tünnes und Schäl“ sind seine Schöpfung, wie er überhaupt viel für die Bühne schuf.

Die „Passion“ des Dichters, (er war tief religiös) wurde achtzig Mal aufgeführt. Auf dem Boden, den Schnorrenberg schuf, von ihm selbst beraten, wuchs Willi Ostermann. Manches Werk wurde um des täglichen Brotes Willen verkauft, sechs Romane und eine Reihe von Novellen Schnorrenbergs sind gedruckt worden.

Am 3. Februar 1878 trat er vermutlich zum ersten Mal als Krätzchensänger auf der 6. Comitésitzung der Großen Carnevals-Gesellschaft, mit seinem Krätzchen „Wer op de Schnut geiht, Weiß, wo de Leider steiht!“ auf. „Op de Schnut geiht“ freien ist eine inzwischen fast bedeutungslos gewordene Art der Brautwerbung, die historisch zumeist im süddeutschen Raum (einschließlich des heutigen Österreich) verbreitet war. Dabei machte der Mann des Nachts heimlich der Geliebten seine Aufwartung, indem er mit Hilfe einer Leiter zum betreffenden Fenster kletterte. Später wurde das Lied auch „Et Freie“ genannt. Es sollten noch einige weitere Lieder wie z.B. „Et Fleute“ nach der Melodie „Der kreuzfidele Kupferschmied“ folgen.

Gerhard Schnorrenberg tauchte immer wieder mit seinen Liedern und Krätzchen bei verschiedenen Karnevalssitzungen auf, ein bekanntes poetisches Stück war auch „O felix Agrippina nobilis Romanorum Colonia“ (Oh glückliche Agrippina, du edle Colonia (/Kolonie) der Römer(innen)). Er schrieb aber auch historische Erzählungen, z.B. eine Geschichte aus der Zeit der Merowinger, eine politische Unterhaltung im 6. Jahrhundert. Diese Geschichten und Erzählungen wurden im Kölner Sonntagsanzeiger als Fortsetzungen gedruckt und waren bei den Lesern sehr beliebt.

Am 23. April 1884 heiratete Gerhard Schnorrenberg Elise (Elisabeth) geb. Létang (1848 – 1935). Am 19. März 1889 kam der Sohn Josef Gerhard August zur Welt. Zu den beiden Kindern Richard und Friedrich lassen sich leider keiner Angaben finden.

Einige Gedichte von Gerhard Schnorrenberg „Wo mächtig rauscht der Eichenhain, soll der Meth getrunken sein“ oder „Dat es dä Schmitzen Hen“ wurden von Friedrich Ullrich Stimme komponiert und im Verlag P.J. Tonger 1888 veröffentlicht. Hervorzuheben ist sicherlich auch das Gedicht „Datt dunn se all wägen uns“, musikalisch umgesetzt von Franz Weber zu nennen.

Weitere Lieder sind:

  • das Walzerliedchen „Ein Kölner Kind“
  • „Et kölsche Hätz“
  • „Och, mer künne allemolde nit derför“
  • „Et hätt noch immer goot gegange“ wurde 1900 zum Büttenmarsch der Großen Kölner Karnevalsgesellschaft und zum Leiblied derselben. (Musik von Henry Unger)
  • „Halt in fass, Hä litt ald doh“ (Musik von Henry Unger)
  • „Ich wollt, dat künnt ich och“
  • „Unserem Kaiser“ Kaiserlied von 1902
  • „Dä ärme Dheers-Marsch) der Kölner Narrenzunft
  • „Zum Elften, des Elften“
  • „Dat es kölsche Aat“
  • „Kölsche Zauber“
  • „Fastelovends Dienstag“
  • „Jet vum Aerger“
  • „Dat kann der Zehnte, Elfte, Zwölfte nit verdrage“
  • „Dat mäht uns keiner noh“

Am 26.02.1913 erscheint im Kölner Lokal-Anzeiger folgender Nachruf

Der Schriftsteller Gerhard Schnorrenberg ist gestern im Alter von 65 Jahren gestorben. Der Verstorbene hat besonders die Karnevalspoesie um zahlreiche Perlen bereichert. Er schöpfte aus einem Kölner Gemüt und der Humor verließ ihn auch nicht, als schwere gichtische Leiden ihn heimsuchten. Mehrere seiner Lieder sind heute noch Gemeingut und werden es lange bleiben. Dem Kölner Karneval widmete er lange eine verdienstvolle Tätigkeit.

Nach Ablauf der Ruhefrist wurde das Grab eingeebnet. 2004 ließ die Große Kölner Karnevalsgesellschaft 1882 e. V. das Grab wieder herrichten und einen Grabstein aufstellen.

 

Eigene Recherche © Wolfgang Kranz

 

 

Auf Google Maps ansehen

DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner