Josef Schmitz-Schlagloth (1857 – 1910)

Kaufmann für Betreiber eines Automaten-Restaurants

Der in den Stein gehauene „Arbeiter“ mit dem Hammer lässt zunächst vermuten, dass es sich hier um einen Bergmann handelt. Da diese Darstellung für den Melaten Friedhof sehr ungewöhnlich ist, hat mich diese Grabstätte neugierig gemacht.

Der Name Schlagloth taucht in Köln schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf, da gibt es z. B. einen Peter Schlagloth, er war Saffianfabrikant. Saffianleder ist ein sehr feines und festes Ziegenleder mit naturbelassenen Narben, das sich nach der marokkanischen Stadt Safi benennt und meist für Schuhe oder Bucheinbände verwendet wird. Die Geburt von Josef Schmitz-Schlagloth im Juni 1857 lässt sich aber nicht zweifelsfrei zuordnen.

Josef Schmitz-Schlagloth taucht zum ersten Mal im April 1890 als Vertreter mit einer eigenen Generalagentur für die New-York Lebens-Versicherungs-Gesellschaft auf. Die Versicherung hatte ihren Sitz in Berlin und warb mit einem Garantiefond von 446 Millionen Mark. Als Adresse wurde hier die Domstraße 21 angegeben, eine der besten Adressen der Stadt.

Angeboten wurde z. B. eine Lebensversicherung über 100.000 Mark, zahlbar nach 20 Jahren oder bei früherem Tod, bei einer jährlichen Prämie von 5.090 Mark. Immerhin gab es nach 20 Jahren eine Gewinnausschüttung von 60.050 Mark, das war eine Verzinsung auf die eingezahlten Prämien von etwa 4 %.

Im Juli 1893 taucht ein „junger Erfinder“ Joseph Schmitz-Schlagloth auf, hier allerdings Joseph mit ph geschrieben. Er meldete einige kleine Patente, z.B. eine Stielbefestigung für Schrubber und Besen an. Vermutlich handelt es sich hier um einen Sohn von Josef und Elly Schmitz-Schlagloth.

Im November 1894 wird als neue Adresse für die Agentur von Josef Schmitz-Schlagloth die Bachemstraße 6 angegeben und die Bezeichnung Generalagentur ist verschwunden. Im August 1895 erfolgte ein neuer Adresseintrag in der Thürmchensgasse 1E.

Im Januar 1897 wird der Sohn Joseph Schmitz-Schlagloth schon als Fabrikant geführt und wird Teilhaber einer Fabrik für Trockenplattenfabrikation, der „Westendorp & Wehner AG“.

Im April 1901 lässt Josef Schmitz-Schlagloth die Gesellschaft „Colonia, Automat Gesellschaft mbH“ ins Handelsregister in Köln eintragen. Gegenstand des Unternehmens ist die Errichtung und der Betrieb eines automatischen Restaurants nach System Max Sielaff in dem Hause Hohe Straße 103 in Köln.

Im November 1903 erscheint eine große Anzeige, „Aus dem Geschäftsverkehr“.

Eine neue Sehenswürdigkeit Kölns wurde gestern Abend auf der verkehrsreichen Straße Eigelstein eröffnet. An Stelle der ehemaligen Wirtschaft „Zur Pann“ erhebt sich im modernen Barockstil ein imposantes Sandsteingebäude, in dessen unteren Räumen ein neues automatisches Restaurant errichtet wurde, dass sich den anderen gleichartigen Unternehmungen des hiesigen Platzes nicht nur würdig anreiht, sondern dieselben weit übertrifft. In der Mitte des Lokals befindet sich ein prächtiger Kiosk, welcher dasselbe in zwei Räume teilt, wovon der vordere die reich ausgestatteten Apparate enthält, während der hintere zum vornehmen Restaurant ausgestattet ist und jeden Komfort bietet. Die gediegene Eleganz der Einrichtung übertrifft die kühnsten Erwartungen. Ein Meer von Licht durchflutet aus hunderten großen und kleinen Glühlampen das Lokal und beleuchtet magisch die herrliche Kunstverglasung. Erbauer des Restaurants ist Herr Josef Schmitz-Schlagloth hier, der Begründer sämtlicher hiesigen automatischen Restaurants nach Patent Max Sielaff. Seine Absicht etwas Schönes zu schaffen, ist demselben in vollendeter Weise gelungen.

Im April 1905 wird die „Colonia, Automat Gesellschaft mbH“ in die „Automat“ Aktiengesellschaft umgewandelt. Im Vorstand sind Josef Schmitz-Schlagloth (Kaufmann), Alexander Kisker (Fabrikant), Robert Perthel (Architekt) und Max Schumacher (Kaufmann).

 

Josef Schmitz-Schlagloth verschied nach längerem Leiden am 25. Oktober 1910, Infolge eines Herzschlages im Alter von 53 Jahren. Um stille Anteilnahme bittet im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen.

Frau Elly Schmitz geb. Schlagloth (1865 – 1937)

 

Mitten in der Ausübung seines Amtes wurde der Verewigte uns durch den unerbittlichen Tod entrissen. Der Entschlafene, seit Gründung unserer Gesellschaft Vorstand derselben, war uns ein hochgeschätzter Berater, der das Interesse unseres Unternehmens infolge seiner reichen, praktischen Erfahrung bis zum letzten Augenblick mit regestem Eifer gefördert hat. Sein Andenken werden dauernd und Dankbar in Ehren halten.

Der Aufsichtsrat der „Automat“ AG

 

Mit der deutschen Inflation von 1914 – 1923 verschwanden diese Automatenrestaurants wieder, der Grund war ganz einfach, die Automaten konnten keine Geldscheine annehmen und 1 Million Münzen waren eher unpraktisch. Aber die Getränke- und Warenautomaten haben natürlich ihren Einzug gehalten und sind aus der heutigen Sicht nicht mehr wegzudenken. Auch die im Jahr 1886 von Max Sielaff gegründete Automatenfirma gibt es heute noch, sie produziert sehr erfolgreich Getränke- und Snackautomaten und gehört zu den 50 besten Familienunternehmen Bayerns.

 

Eigene Recherche © Wolfgang Kranz

 

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