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Julius Arnolds (1854 – 1920)

Teilhaber und später Inhaber der Tapetenfabrik Flammersheim & Steinmann

Julius Arnolds wurde am 17.01.1854 in Köln geboren, er war Rittmeister des Kürassier Regimentes Graf Gessler (Rhein) Nr. 8, Generalkonsul von Ecuador, Ritter mehrerer Orden.

Bereits am 6. August 1880 wurde er im Handelsregister, beim königlichen Amtsgericht in Köln, zum Prokuristen der Handelsgesellschaft „Flammersheim & Steinmann“, einer bedeutenden Tapetenfabrik in Köln eingetragen. Zu dieser Zeit war er bereits mit Bertha Arnolds, geb. Steinmann (1856 – 1932) verheiratet. Aus der Ehe gingen die Kinder Kurt Arnolds (1879 – 1951). Paul Arnolds (1880 – 1914) und Louise (1883 – ????) hervor. Louise ist vermutlich im Kindesalter gestorben und Paul Arnolds starb den Heldentod fürs Vaterland im August 1914 im Gefecht bei Chemery (Frankreich)

Nur 3 Jahre später, am 16. September 1887 trat Julius Arnolds als Gesellschafter in die Tapetenfabrik Flammersheim & Steinmann ein. Mitgesellschafter waren zu dieser Zeit die in Köln wohnenden Kaufleute Karl und Jacob Flammersheim, sowie die in Köln wohnende Handelsfrau Jeanette, richtiger Henriette, geborene Flammersheim, Witwe des Kaufmannes Johann Joseph Steinmann.

 

Zur Unternehmensgeschichte

Die Firma Flammersheim und Steinmann wurde im Jahr 1790 von Wilhelm Flammersheim in der Lungengasse in Köln gegründet. Seine Söhne Carl Melchior und Jacob Flammersheim führten das expandierende Unternehmen weiter, welches in die Cäcilienstraße umzog. In den 1830er und 40er Jahren wurden Handdrucke nach Entwürfen bekannter Architekten; u. a. 1858 Tapete des Dombaumeisters Raschdorf und Professor Wehltes mit dem Kölner Stadtwappen für die Säle des Gürzenich angefertigt.

Ihr Schwager Johann Joseph Steinmann wurde 1848 Teilhaber, man wagte den Wechsel vom Hand- zum Maschinendruck und die Umstellung von Papierbogen auf Rollen. Bereits 1859 wurde eine Vielfarben-Druckmaschine mit Dampfbetrieb eingeführt. 1869 umfasste der Betrieb fünf Tapetendruckmaschinen, zwei Grundiermaschinen, sechs Satiniermaschinen, betrieben mit 11 Dampfkesseln, sowie 60 Handdrucktische; er beschäftigte 280 bis 300 Arbeiter.

In der dritten Generation übernahmen um 1888 der Sohn Carl Maria Steinmann und dessen Schwager Julius Arnolds die Leitung. Am 3. Juli 1890 brannte die Tapetenfabrik fast vollständig ab.

 

Zeitungsbericht im Rheinischen Merkur vom 4. Juli 1890

„Feuer, Feuer!“ dieser Schreckensruf durchflog gestern Abend gegen 9 Uhr mit Windeseile unsere Stadt, über die sich in kurzer Zeit ein blutrother Schein gelagert hatte, der weithin über das Weichbild Kölns hinaus sichtbar war. „Wo brennts?“ erscholl es von Mund zu Mund. „Das Bürgerhospital steht in Flammen“ hieß es im Norden der Stadt; denn von jener Gegend erhob sich eine gewaltige Feuersgluth gegen Himmel.

Alles rannte dem Neumarkte zu, und bald erfuhr man, dass die Tapetenfabrik von Flammersheim & Steinmann welche in dem Häuserblock zwischen Thieboldsgasse, Lungengasse, Peterstraße und Bayardsgasse gegenüber dem Bürgerhospital eingeteilt liegt, in Brand gerathen sei. Tausende und Übertausende hatten alsbald die benachbarten Straßen umlagert, die von Polizeimannschaften und Soldaten abgesperrt wurden. Als die Feuerwehr an der Brandstelle erschien, stand bereits das ganze zweite und dritte Stockwerk des gewaltigen Fabrikgebäudes, das wohl an 2000 Quadratmeter Grundfläche bedeckt und über 250 Arbeiter beschäftigt, in Flammen, sodass an eine Rettung der brennenden Tapetenfabrik kaum zu denken war, vielmehr die ganze Kraft aufgeboten werden mußte, um die bedrohten Nachbarhäuser vor der Feuersbrunst zu bewahren.

Ein gewaltiger Funken- und Feuerregen ergoss sich von der Brandstätte bei dem herrschenden Westwind über die Peterstraße, das Hospital und die angrenzenden Straßen, die in beständiger Feuersgefahr schwebten. Bei Beginn des Brandes wurden kleinere brennende Funken durch den Wind, der sich später etwas legte, bis zum Heumarkte hingetrieben. Die Hitze, welche die gewaltige Himmelstochter aus ihren wogenden Flammen ausgoß, war so bedeutend, daß die in den nächsten Straßen stehenden Zuschauer vor derselben zurückweichen mußten. Nach und nach mußte auch sie vor dem tapferen Angriff der Wehr zurückweichen. Ihre Riesengestalt wurde kleiner, wenngleich dieselbe noch ab und zu noch wie in wildem Zorn mächtig aufflammte.

Der Wiederschein der gewaltigen Feuersbrunst war so bedeutend, daß die Thürme der benachbarten Kirche, selbst die des Domes wie bengalisch beleuchtet erglänzten; der ganze Himmel war in blutrothe Gluth getaucht: ein schaurig-schöner Anblick!

Als der ganze Dachstuhl der Tapetenfabrik vom Feuer ergriffen war, da wurde zeitweise die Gefahr für die umliegenden Häuser so groß, daß man sie für verloren betrachten mußte. Einzelne Häuser wurden ganz geräumt, und aus andern suchten die Einwohner auf alle Fälle ihr Hab und Gut zu retten; Schrecken und Entsetzen in ihren Mienen, drängten die Bedauernswerthen, mit ihren Sachen bepackt, sich durch die Zuschauermenge: ein Bild des Jammers, das einem das Herz krampfhaft zusammenzog.

Plötzlich hatte der Thurmhelm der St. Cäcilienkirche an einer Stelle Feuer gefangen, daß aber im Nu von einigen beherzten Männern gelöscht wurde. Nicht minder groß war die Gefahr, in der das Bürgerhospital mit seinen zahlreichen Kranken schwebte, die sich in unsäglicher Aufregung befanden; das Krankenhaus war beständig in ein Meer von Funken und Feuertheilchen gehüllt. Sofort bei ihrer Ankunft hatte ein Theil der Feuerwehr das Hospital besetzt, diese Abtheilung der Feuerwehr wurde als bald durch mehrere Kompagnien Soldaten unterstützt. Wie nöthig diese Vorsicht war, zeigte sich schon bald, als der Dachreiter der Kapelle des Bürgerhospitals und auch die Vincenzstation an einer Stelle Feuer gefangen hatten, daß aber ebenfalls schnell erstickt wurde.

Die Dächer der Häuser bei der Feuerstätte benachbarten Straßen waren mit vielen Hunderten geängstigter Bewohner angefüllt, die durch beständiges bespritzen ihrer Häuser mit Wasser die Ansteckungsgefahr abzuwenden suchten. Nahtlos arbeiteten auch die Feuerwehrleute unter der Leitung des Herrn Branddirectors von Brüllow, bald hier, bald dort die Wasserschläuche auf die gefährdetsten Punkte richtend. Die auf dem Dache der brennenden Fabrik befindliche Telephon-Leitung, die etwa 60 Drähte zählte, war lange Zeit in dem großen Flammenmeer weithin sichtbar, wurde aber schließlich in den Trümmern begraben; eine empfindliche Störung dürfte dadurch in dem Telephonbetrieb entstehen.

Als kurz nach 10 Uhr der brennende Dachstuhl der Fabrik unter gewaltigem Getöse nach Innen zusammenstürzte, da entrang ein Schrei des Entsetzens sich aus aller Brust: der Höhepunkt der Gefahr war gekommen! Für einige Augenblicke war Alles in ein wirres Flammengewoge gehüllt, und ein gewaltiger Feuerregen senkte sich wie ein dichtes Schneegestöber über die dortige Gegend. Aber auch diese Gefahr wurde glücklich abgewendet, vom Feuer unversehrt standen noch die zumeist bedrohten Häuser da, deren Dächer und Hintergiebel von Wasser trieften. Inzwischen wurden von allen Seiten Wasserschläuche in die rasende Feuersglut gerichtet, die überreiche Nahrung in den aufgespeicherten Vorräthen der Fabrik fand.

Von der Bayardsgasse aus setzten einige beherzte Feuerwehrleute den Flammen mit Erfolg zu, als plötzlich ein Theil des brennenden Dachgesimses herunterstürzte und den Feuerwehrmann Lemble, als man ihn gerade aus seiner gefährlichen Lage mittels Leitern herunterholen wollte, mit sich in die Tiefe riß; der Bedauernswerthe kam jedoch mit einer anscheinend nicht sehr erheblichen Kopfverletzung davon, wurde sofort verbunden und dann in das Hospital geschafft. Im Innern des Fabrikgebäudes wüthete das gefräßige Element immer weiter, nach und nach stürzten die Balkenlagen des dritten und zweiten Stockwerkes zusammen, jedesmal ein entsetzliches Funkenmeer aufwirbelnd.

Die Gefahr wurde besonders für die an der Peterstraße gelegenen Häuser nochmals groß, als das große Oellager der Tapetenfabrik von den Gluthen ergriffen wurde. Gewaltige Feuergarben schossen hoch gegen Himmel, Alles zu verschlingen drohend. Mit angespanntester Thätigkeit arbeiteten die Feuerwehrleute einmüthig mit den Bewohnern der gefährdeten Häuser zusammen; bald auch brachten die freiwilligen Wehren aus den sämmtlichen eingemeindeten Vororten, aus Mülheim, Kalk und der Humboldscolonie weitere Unterstützung.

Gegen 1 Uhr war die Hauptgefahr für die umliegenden Häuser beseitigt, von Denen eins, an der Bayardsgasse gelegen, für kurze Zeit Feuer fing, das jedoch sofort gelöscht wurde, während das Innere des Fabrikgebäudes noch in Flammen stand, die sich auch den im Keller liegenden Vorräthen mitgetheilt hatten und auch dort alles verzehrten.

Der Commandant der Festung, Major v. Losch, sowie der Polizeipräsident v. Rönig waren sofort auf der Brandstelle erschienen. Leider sind bei dem Brande auch noch ein Oberfeuerwehrmann und ein Feuerwehrmann zu Schaden gekommen. Der erstgenannte erlitt durch einen Fall eine Rückgradverletzung, während der Feuerwehrmann sich eine Hand verletzte. Die Fabrik ist, wie wir erfahren, ganz versichert, sechs Feuerversicherungen sollen betheiligt sein. Die Modellkammern, das Walzenhaus, die Leimsiederei, das Laboratorium, die Schreinerei, die Reparaturwerkstätte, das Stallgebäude, die Beamten- und Meisterwohnungen sind gerettet, dagegen sind die Hauptgebäude bis auf den Grund mit sämmtlichen Vorräthen, fertigen Tapeten, allem Papier u. dergl. Niedergebrannt.

Die Firma hofft, daß eine Entlassung der Arbeiter über 250, nicht stattzufinden braucht und daß der Betrieb in Kürze wieder aufgenommen werden kann. Wie das Feuer entstanden ist, hat noch nicht festgestellt werden können. Der Nachtwächter der Fabrik bemerkte den ersten Feuerschein bei der Revision kurz nach 3 Uhr in dem im Hauptgebäude befindlichen Luftschacht.

Als wir gegen ½ 2 Uhr die Brandstätte verließen, glich das Fabrikgelände mit seinen geschwärzten Mauern, von denen an einer Seite ein Theil eingestürzt und die der Peterstraße zuliegende Giebelmauer im obern Stockwerk sich bedenklich nach Außen geneigt hatte, noch einem gewaltigen Feuerherd, der im letzten Aufflackern begriffen war. Unaufhörlich wurden die Löschungsarbeiten fortgesetzt, bis schließlich die Flammen erstickt waren und mit den Aufräumungsarbeiten begonnen werden konnte. Heute Vormittag steigt noch immer dichter Qualm auf von der Brandstätte. Seit den Theaterbränden in den Jahren 1859 und 1869, die, wie Augenzeugen derselben uns versicherten, nicht so bedeutend waren, wie das gestrige Feuer, hat Köln eine solche Feuersbrunst nicht mehr erlebt, möge es auch in Zukunft davor bewahrt bleiben.

 

Neu errichtet wurde sie, nur Monate später, außerhalb der Innenstadt, am Höninger Weg in Köln-Zollstock. 1911 beerbte Kurt Arnolds seinen Vater in der Geschäftsführung, die kurz zuvor gegründete Aktiengesellschaft wurde wieder in eine GmbH umgewandelt. Während des Ersten Weltkrieges war die Produktion eingeschränkt, die Gebäude dienten teilweise als Kasernen. 1932 kaufte Dr. Heinrich Olligs die bankrotte Firma auf und tilgte ihre Verbindlichkeiten, wurde somit zum Eigentümer. Im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, produzierte sie aber bereits 1945 wieder. 1966 wurden die alten Firmengebäude durch Neubauten ersetzt. Dr. Heinrich Olligs blieb Geschäftsführer, wenn auch später nicht mehr alleiniger Anteilseigner. Obwohl der ab 1984 allein befugte Geschäftsführer Decker die Produktion noch einmal vom Hoch- zum Tiefdruckverfahren modernisierte, wurde Flammersheim und Steinmann an die Pickhardt und Siebert GmbH verkauft, der Sitz der Firma wurde 1990 erst nach Köln-Hürth, schließlich 1991 nach Gummersbach, dem Hauptsitz der Pickhardt und Siebert GmbH, verlegt. 1997 wurden die beiden Unternehmen unter dem Namen Pickhardt und Siebert GmbH verschmolzen, lediglich rechtlich gesicherte Produktnamen der Firma Flammersheim und Steinmann sind noch in Gebrauch

 

Am 14. Juni 1920 verschied unser Gesellschafter Julius Arnolds, Generalkonsul a.D.

Der Verstorbene war 28 Jahre lang tätiger Teilhaber unserer Firma und seit 1907 unser Gesellschafter. Seiner großen Arbeitskraft, seinem rastlosen Fleiß und nie erlahmenden Interesse an dem Wohl und Gedeihen unserer Firma in den langen Jahren seiner Tätigkeit, werden wir stets ein dankbares Andenken bewahren.

Flammersheim & Steinmann GmbH, Köln Zollstock

 

Quelle Text teilweise: Quelle Text: https://tapeten.museum-kassel.de/0/35783/

Abgerufen am 16.09.2021

 

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